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Amtlich eingestandene Arbeitslosigkeit und die Tatsachen
Von Klaus Wallmann sen. | 1. Oktober 2009
Trotz Krise und Rezession und vor allem dank den statistischen Spielchen der Bundesagentur für Arbeit (BA), die inzwischen ja nicht mal mehr von den bürgerlichen Medien geleugnet werden, konnte BA-Chef Weise auch gestern wieder dem deutschen Michel frohe Botschaft verkünden. Die Lage ist schlecht, doch so schlecht nun auch wieder nicht. Was nach den Wahlen wohl besonders betont werden muß. Im Vergleich zum Vormonat ist die Arbeitslosigkeit im September - offiziell - um 125.000 auf 3,35 Millionen gesunken. Diese Zahl wird von den “freien” Medien natürlich gern und wie immer unkritisch unter’s Volk getragen.
Weniger schön ist die nicht so lauthals festgestellte Tatsache, daß die Statistiker der BA im Jahresvergleich 266.000 Arbeitslose mehr eingestehen müssen. Wobei auch diese offizielle Zahl “geschönt” ist, die ja auf einer für diesen Zeitraum erneut veränderten Zählweise beruht. Generell geht es bei den Zahlen nur um die der “registrierten” Arbeitslosen. Und wer von den tatsächlich Arbeitslosen “registriert” wird, das legt man von Fall zu Fall, also nach ideologischem Gusto fest. Auf jeden Fall müssen immer möglichst niedrige Arbeitslosenzahlen hinten raus kommen, damit das Volk nicht beunruhigt wird.
1,52 Millionen Menschen, die sich im September in einer “arbeitsmarktpolitischen Maßnahme” befanden - und dennoch arbeitsuchend, also arbeitslos sind - fließen z.B. nicht in die offiziell verkündete Arbeitslosenzahl ein. Ebensowenig die 413.000 Arbeitslosen, die im September kein Geld aus der Arbeitslosenversicherung oder der Grundsicherung bezogen. Addiert man allein diese Zahlen, so dürfte selbst die BA auf eine Zahl von mindestens 5,28 Millionen Arbeitslosen kommen. Tatsächlich kommt sie sogar auf eine noch viel höhere, von der sie auf der Pressekonferenz jedoch nie spricht.
Auf Seite 51 des Septemberberichts der BA findet wer will die Zahlen zu den “Leistungsempfängern”. Arbeitslosengeld (ALG) erhielten demnach 1.134.220 Menschen, ALG II (Hartz IV) bekamen 4.913.859 Menschen. Das sind 6.048.079 einzelne menschliche Schicksale, die hinter der nur vermeintlich besser klingenden Zahl von 3,35 Millionen versteckt werden soll. Denn warum sonst werden diese Angaben von den bürgerlichen “freien” Medien regelmäßig unterschlagen? Ebenso wie mir ist allen Journalisten der monatliche Bericht der BA mit all den hier genannten Zahlen zugänglich.
Statt dessen schwätzen sie lieber nach, was BA-Chef Weise und dessen politische Auftraggeber vorgeben. Die Entwicklung sei einen “Tick” besser als von den “Experten” erwartet. Ungwöhnliche Herbstbelebung. Dazu noch das hinterhältige “Lob” des “Weisen”, daß über Lohnsenkungen Jobs erhalten werden konnten. Das Lob auf die “Kurzarbeit” durfte natürlich auch nicht fehlen. Was interessiert es Herrn Weise schon, ob die davon betroffenen Arbeiter und Angestellten dadurch bis zu einigen Hundertern weniger in ihren Taschen haben. Zur Demagogie auch noch der Hohn.
Man muß ihm geradezu dankbar dafür sein, daß auch er bei aller Mühe eine Trendwende nicht erkennen kann. Was nichts anderes heißt, als daß die Arbeitslosigkeit allem Schönreden zum Trotz und den Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus entsprechend weiter steigen wird. Offiziell und erst recht real. An die neue Regierung appelliert Herr Weise, “aktuell” keine Einschnitte bei den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zu beschließen. Wenn er damit mal nicht gegen Wände redet.
Klaus Wallmann sen.
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