Der unverschämte Grieche

PresseIn der vergangenen Woche kolportierten die bürgerlichen Privatmedien wie das Staatsfernsehen eine Aussage des neuen griechischen Finanzministers Varoufakis. Demnach hätte dieser gesagt:

„Was immer die Deutschen sagen, am Ende werden Sie immer zahlen.“

Was nicht nur den deutschen EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, den Herrn Oettinger (CDU), empörte, sondern auch einen großen Teil des deutschen Volkes. Tatsächlich ist dieser Satz eine Unverschämtheit – doch dem Griechen wird hier etwas in den Mund gelegt.

In seinem Original-Interview mit der französischen Zeitung „La tribune“ sagte Varoufakis:
„Quoi que fasse ou dise l’Allemagne, elle paie, de toute façon. Et dès 2010, j’ai considéré que nous n’avions pas, nous autres Grecs, le droit moral d’accepter de l’argent des contribuables allemands, pour payer nos créanciers. En réalité, cet argent va dans un trou Noir.“

Die englische Übersetzung (aus dem Blog von Varoufakis) lautet:
„I beg to differ. Whatever Germany does or says, it pays anyway. And in 2010, I felt that we had not, we Greeks, the moral right to accept money from German taxpayers, to pay our creditors. In reality, this money goes into a black hole.“

Meine deutsche Übersetzung:
„Ich bin anderer Ansicht. Was auch immer Deutschland tut oder sagt, es zahlt auf jeden Fall. Und im Jahr 2010 fühlte ich, dass wir, die Griechen, nicht das moralische Recht haben, Geld von deutschen Steuerzahler zu nehmen, um unsere Gläubiger zu bezahlen. In Wirklichkeit geht dieses Geld in ein schwarzes Loch.“

Ohne den für das Verständnis notwendigen Kontext ist der kolportierte Satz eine Unverschämtheit. Doch tatsächlich vertraut Varoufakis eben nicht darauf, daß die Deutschen immer nachgeben. Mit diesem Satz kritisiert er, daß die Deutschen immer zahlen würden. Und das ist das genaue Gegenteil dessen, was man ihm unterstellt.

Der „Qualitätsjournalismus“ glänzt erneut durch Falschdarstellung und Desinformation, und man kann beim besten Willen nicht mehr davon ausgehen, daß es sich dabei um eine „Panne“ unprofessionell agierender Leute handelt. Es sind die gleichen, die einst dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad die Aussage unterstell(t)en, er wolle Israel von der Landkarte tilgen, oder abstoßende Stalin-Zitate erfinden. Die bürgerliche „Pressefreiheit“ ist vor allem die Freiheit der herrschenden Klasse, jede Lüge zu verbreiten, die ihr in den Kram paßt.

Klaus Wallmann sen.

Quelle: Programmbeschwerde „Aufstand in Athen – scheitert Merkel, scheitert der Euro?“

Fotomontage: John Heartfield, 1930, Titel der AIZ Nr. 6, 1930

Das Gedicht auf der AIZ-Titelseite hat folgenden Wortlaut:

Ich bin ein Kohlkopf, kennt ihr meine Blätter
Ich weiß vor Sorgen zwar nicht aus noch ein
Doch halt ich still und hoff’ auf einen Retter,
Ich will ein Kohlkopf, stets ein Kohlkopf sein!

Ich will nichts sehn und hören
das Staatsgeschäft nicht stören
Und zieht man mich auch bis aufs Hemde aus
Die rote Presse kommt mir nicht ins Haus!

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· read: 2634 · today: 2 · last: 25. September 2016

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