Dezember 2014: 6.909.984 Leistungsbezieher

ArbeitslosDie Zahl der registrierten Arbeitslosen ist zwar von 2.716.852 im November auf 2.763.521 im Dezember gestiegen, doch das ändert nichts an den Jubelmeldungen der sogenannten Bundesagentur für Arbeit und deren wassertragender Journaille. Die Entwicklung auf dem Markt der Ware Arbeitskraft ist weiterhin prima, der Genosse Trend zeigt wie gehabt nach oben, und der BA-X ist schön wie eh und je. Auf die offiziellen Zahlen der Leistungsbezieher, soeben veröffentlicht im BA-Bericht (Tabellen ab S. 79), möchten die „Qualitätsjournalisten“ aber auch weiterhin offensichtlich nicht eingehen. Verständlich.

856.953 Menschen erhielten im Dezember Arbeitslo­sen­geld I (November 2014: 805.571), 4.344.299 mußten mit Hartz IV (ALG II) überleben (November 2014: 4.324.470). Zusammen sind das 5.201.251 ALG-Bezieher im Dezember 2014. Weitere 1.708.732 Menschen erhielten Sozi­al­geld (November 2014: 1.703.273).
Das sind zusammen 6.909.984 Leistungsempfänger (November 2014: 6.833.314).

Doch selbst diese Zahl zeigt noch nicht das wahre Ausmaß, denn hinzu kommen noch die Bezieher von Wohn­geld, von Kinderzuschlag oder von Sozi­al­hilfe nach SGB XII, die ohne diese Leistungen in Hartz IV fallen könnten. Ganz abgesehen davon, daß im BA-Bericht ständig von Untererfassung, Schätzungen und Hochrechnungen gefußnotet wird.

Ein typisches Beispiel für diese „Schätzungen“ ist die Zahl derjenigen Menschen, die an sogenannten Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik teilnehmen. Im Dezember waren das 864.863. Die für November genannte Zahl von 867.326 wurde inzwischen auf 877.373 geändert.

Hinzu kommen laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) weitere 3,1 bis 4,9 Millionen Leistungsberechtigte, die aber keine Grundsicherung beantragen. Bis zu fünf Millionen Menschen verzichten also auf das ihnen zustehende Hartz IV – entweder aus Scham oder weil sie sich das entwürdigende Prozedere in den sogenannten Jobcentern nicht antun wollen.

Weitere 3.679.508 Menschen waren laut BA-Bericht im Dezember 2014 „unterbeschäftigt“ (ohne Kurzarbeit) (November 2014: 3.638.233).

Den Millionen von Arbeitslosen standen laut BA im Dezember mal gerade 497.768 offene Arbeitsstellen gegenüber, über deren Qualität sich in vielen Fällen sicherlich trefflich streiten läßt.

Mit Blick auf die 33 Milliarden Euro, die die BA im vergangenen Jahr ausgegeben hat, wirkt ein bilanzierender Vergleich der Dezember-Zahlen von 2014 mit denen von 2013 ziemlich kläglich. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen sank lediglich um 109.262, die der Leistungsbezieher um schlichte 27.650. Knapp 31.000 Menschen holte man aus dem ALG-I-, rund 14.000 aus dem Hartz-IV-Bezug. Die Zahl der Sozialgeldempfänger stieg in diesen zwölf Monaten um gut 17.000. Die Anzahl der Menschen in den sogenannten Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik sowie die Anzahl der Unterbeschäftigten blieb annähernd auf gleichem Niveau. Auch diese Bilanz ist ganz sicher kein Grund zum Jubeln.

Gleichzeitig teilt das Statistische Bundesamt mit, daß die Zahl der Erwerbstätigen 2014 das achte Jahr in Folge auf einen Rekordwert von 42,6 Millionen gestiegen sei. Was angesichts der oben genannten Zahlen Verwunderung auslösen sollte. Doch selbst die bürgerliche „Süddeutsche“ weist darauf hin, daß diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind. Sei doch die Zahl der in Vollzeit Beschäftigten in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen, während die Zahl der in Teilzeit Arbeitenden stark gestiegen ist. In den jüngsten Rekordzahlen dürften viele Menschen mehrfach gezählt worden sein, weil sie ihr Leben mit mehreren „Jobs“ fristen.

Klaus Wallmann sen.

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