Der BND und die 30 Millionen Dollar

Buk-M1Wie der „Spiegel“ kolportierte, soll der BND-Präsident Schindler am 8. Oktober den Mitgliedern des Parlamentarischen Kontrollgremiums umfangreiche Belege vorgelegt haben, nach denen man einzig und allein zu dem Schluß kommen kann, daß prorussische Rebellen für den Absturz von MH-17 verantwortlich sind. Schindler: „Es waren prorussische Separatisten.“

Während die Geheimdienste der USA und der Ukraine aus verständlichen (Propaganda-)Gründen weiterhin davon ausgehen, daß Rußland den Separatisten das Buk-1M-System, mit dem MH-17 abgeschossen worden sein soll, zur Verfügung gestellt haben soll, verbreitet der ehemalige Gehlen-Geheimdienst BND seine Auffassung, nach der die Separatisten ein Startfahrzeug dieses Luftabwehrraketensystems von der ukrainischen Armee erbeutet haben.Tatsächlich brüsteten sich diese im vergangenen Juni damit, ein „Buk“-System erbeutet zu haben. Nach dem Absturz von MH-17 erklärten sie, daß die Beute nicht funktionstüchtig gewesen sei, was von den Ermittlern in Kiew auch bestätigt wurde.

Schindler weist selbst darauf hin, daß eine Buk-M1-Batterie aus mindestens drei Fahrzeugen bestehe. Neben dem angeblich erbeuteten Start- und Transportfahrzeug gehören eigentlich auch noch ein Kommando- und ein Radarfahrzeug dazu. Wie früher schon angemerkt, benötigt man zur Bedienung dieses komplizierten Systems ausgebildete Experten, die die Separatisten aber nicht haben. Wenn es ungeschultem Personal, das noch dazu die Flugroute von MH-17 nicht kennt, innerhalb von kürzester Zeit gelingt, das Flugzeug anzupeilen und eine Rakete abzuschießen, so muß man wie Schindler tatsächlich davon ausgehen, daß der Abschuß der Passagiermaschine „ein schrecklicher Zufall“ war – und noch dazu ein riesengroßer.
Beweise gibt es laut Schindler auch für diese Version nicht – sie sei aber die wahrscheinlichste.

Die so kriminalisierten Separatisten wie auch das ukrainische Verteidigungsministerium haben die Behauptungen des BND allerdings sofort und energisch zurückgewiesen. Sie entsprechen nicht der Wahrheit. Damit bleiben sie auf der Linie des ukrainische Generalstaatsanwalt, der bereits einen Tag nach dem MH-17-Absturz erklärte, daß die Separatisten kein Buk-System erbeutet hätten.

Die BND-Version befreit Rußland von allen bisherigen Vorwürfen. Und nachdem die russische Regierung bereits mehrfach alle Beteiligten aufgefordert hat, vorhandene Daten dem Untersuchungsteam zu übergeben, fordert sie nun den BND auf, seine Belege offenzulegen. Worauf man wohl lange warten kann, denn wenn der stellvertretende Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, der Herr Becker, von „es deutet alles darauf hin“ spricht, von „Plausibilitäten“, die einen „bestimmten Schluß sehr, sehr nahe legen“ (Tagesschau, 19.10.), so spricht das eine mehr als beredte Sprache.

Die Bundesregierung, deren Außenminister Steinmeier (SPD) einst die „schnelle und unabhängige Aufklärung des Absturzes“ forderte, scheint auch weiterhin nicht wirklich an Erkennnisgewinn interessiert – was aber nichts darüber aussagt, was sie wirklich weiß. Generell verweist sie auf den niederländischen Zwischenbericht, der sich aber über die Schuldfrage ausschweigt. Eingeräumt hat sie, daß die ukrainische Armee zum Zeitpunkt des MH-17-Abschusses im in Frage kommenden Gebiet Buk-M1-Systeme im Einsatz hatte. Keine Aussage gibt es weder zu einer Übung des ukrainischen 156. Fla-Raketenregiments, noch zur Teilnahme von zwei ukrainischen Kampfjets Su-25 an dieser Übung (RIA Novosti).

Dieser Linie blieb die Merkel-Regierung auch zwei Tage nach Schindlers Auftritt im Parlamentarischen Kontrollgremium treu, als sie eine Kleine Anfrage der LINKE wie gehabt abschmetterte. Die Regierung hat demnach keine eigenen Kenntnisse und Erkenntnisse über den Absturz von MH-17. Und das trotz der Belege des BND, die ihr zu diesem Zeitpunkt vorgelegen haben müssen. Ist es doch zumindest unwahrscheinlich, daß der BND zuerst die Abgeordneten und nicht die Kanzlerin informiert haben sollte. Es könnte natürlich auch sein, daß die Regierung bei ihrer Linie bleibt, weil sie den Erkenntnissen des BND auch nicht so recht glauben mag. Angesichts dessen maßgeblichen Falsch-Informationen über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen kann man ihr dies nicht einmal verübeln.

Kann natürlich auch sein, daß der Herr Schindler scharf ist auf die 30 Millionen Dollar, die ein anonymen Auftraggeber für denjenigen ausgesetzt hat, der herausfindet, wer am Abschuß von MH-17 beteiligt war und wer diese Täter bis heute deckt …

Klaus Wallmann sen.

Foto: Ajvol, Public Domain

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