Griechenland: No risk, much fun! No wonder!

Griechenland macht neue Schulden. Der frühere griechische Finanzminister und derzeitige Vizepremier Venizelos feiert dies – und die bürgerlichen Medien in Deutschland feiern mit. „Ein Riesenerfolg: Anleger überschütten Griechenland mit Milliarden“, feiert z.B. Spiegel online. Auch das Staatsfernsehen feierte wie gewohnt mit, stellte aber unmittelbar danach die offensichtlich rhetorische Frage, ob denn nun wirklich alles in trockenen Tüchern sei. Was der diensttuende Börsen“experte“ natürlich verneinen mußte.

Logisch, denn Griechenland hat in den letzten Jahren ein Viertel seiner Wirtschaftskraft verloren. Offiziell(!) liegt die Arbeitslosigkeit bei 28 Prozent, die der Jugendliche nahe 60 Prozent. Die offizielle und erwiesen geschönte Staatsverschuldung befindet sich auf dem Rekordniveau von 329 Milliarden Euro, was 180 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) entspricht. In diesem Jahr dürfen die Griechen ca. 27 Milliarden Euro Zinsen zahlen. Und selbst der IWF geht von ständig steigenden „Verbindlichkeiten“ Griechenlands aus, die das Land niemals zurückzahlen kann. Ohne das Geld von EU, EZB und IWF wäre Griechenland faktisch insolvent.

Niemand würde einem solchen Schuldner einen weiteren Kredit einräumen. Was Spekulanten aber offensichtlich anders sehen. Die von Griechenland aufgelegte fünfjährige Staatsanleihe, die dem Land drei Milliarden Euro einbrachte, wurde angeblich achtfach überzeichnet. Was aber auch kein Wunder wäre, denn wo sonst können die „Investoren“ noch eine fast fünfprozentige Rendite einfahren? Eine Rendite, die natürlich auch das griechische Volk wird zahlen müssen.

Nach der oben geschilderten Lage Griechenlands dürfte klar sein, daß es nicht das wieder „gewachsene Vertrauen“ der Anleger in die Wirtschaft Griechenlands ist, das die Spekulanten zugreifen ließ. Deren Vertrauen beruht tatsächlich nur auf der EZB, die ihnen die eventuell wertlos werdenden griechischen Papiere gegen klingende Münze wieder abkauft. No risk, much fun! No wonder! Selbst die FAZ schrieb gestern, daß die Anleger darauf vertrauen, „daß Athen im Zweifel wieder von der EZB rausgehauen wird. Denn sie wissen: Die Schuldentragfähigkeit ist nicht gegeben“.

Der Jubel und das Feiern hat selbstverständlich auch einen propagandistischen Grund. Macht es sich doch gut beim europäischen Wahlvolk, wenn kurz vor der Europa-Wahl der Eindruck entsteht, daß es mit der Krise so langsam zuende geht. Und auch Frau Merkel, die heute Athen besucht, wird versuchen, diese Demagogie zu nutzen, um die protestierenden Griechen zu besänftigen.

Klaus Wallmann sen.

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· read: 1278 · today: 3 · last: 29. September 2016

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