Januar 2014: 7.131.406 Leistungsbezieher

3.135.801 Personen werden in der offiziellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Januar als arbeitslos registriert. D.h., die ideologisch-psychologisch wichtige 3-Millionen-Marke wurde erneut überschritten. „Die Zahl wirkt alarmierend“, scheibt denn auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ), hinter der bekanntlich immer ein kluger Kopf steckt. „Ist das ‚German Wunder‘ zu Ende? Schrillen die Alarmglocken?“ Rhetorische Fragen – gestellt, damit der „kluge Kopf“ uns die beschwichtigende Antwort geben kann: „Nein. Kurzfristig gibt es keinen Grund zur Panik.“

Die BA wiederholt, was sie schon im Dezember von sich gab. Entwicklung „positiv“, Wachstum „kontinuierlich“, der BA-X „ist aufwärts gerichtet“. „Saisonbereinigt“ sei alles super. Die mantrahafte Wiederholung macht die Realitäten aber nicht schöner. So kommt man denn auch nicht darum herum festzustellen: „Arbeitslosengeld haben im Januar 1,07 Mio Menschen erhalten, das waren 180.000 mehr als im Monat zuvor.“ Selbst „saisonbereinigt“ entspricht dies „einem leichten Anstieg von 6.000″. Gegenüber dem Vorjahresmonat betrug der Anstieg allerdings 17.000. Und: „Arbeitslosengeld II haben im Januar nach aktueller Hochrechnung 4,37 Mio Menschen erhalten, 10.000 mehr als im Vormonat.“ (Hervorhebungen rz)

Kommen wir nach all dem zu den interessanteren aktuellen Zahlen – alle zu finden im offiziellen BA-Januar-Bericht -, die natürlich auf den gleichen Statistiken basieren (Tabellen ab S. 52).

1.073.876 Menschen erhielten im Januar Arbeitslo­sen­geld I (Dezember 2013: 887.801), 4.366.982 mußten mit Hartz IV (ALG II) überleben (Dezember 2013: 4.358.362), und 1.690.548 Menschen erhielten Sozi­al­geld (Dezember 2013: 1.691.471). Das sind zusammen 7.131.406 Leistungsempfänger (Dezember 2013: 6.937.634)! Doch selbst diese Zahl zeigt noch nicht das wahre Ausmaß, denn hinzu kommen noch die Bezieher von Wohn­geld, von Kinderzuschlag oder von Sozi­al­hilfe nach SGB XII. Ganz abgesehen davon, daß im BA-Bericht ständig von Untererfassung, Schätzung und Hochrechnungen gefußnotet wird.

Weitere 4.016.606 Menschen waren laut BA-Bericht im Januar 2013 „unterbeschäftigt“ (Dezember 2013: 3.818.974), und 819.152 nahmen an sogenannten Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik teil (Dezember 2013: 863.583) – fließen also nicht in die offizielle Jubel-Arbeitslosenzahl ein. Den Millionen von Arbeitslosen standen laut BA im Dezember mal gerade  400.848 offene Arbeitsstellen gegenüber, über deren Qualität sich in vielen Fällen sicherlich trefflich streiten läßt.

Nicht zu vergessen die 3,1 bis 4,9 Millionen Menschen, die laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in verdeckter Armut leben und dennoch kein Hartz IV beantragen. Persönliche Scham hindert viele von ihnen am Gang zum Jobcenter, aber auch die bekanntgewordenen entwürdigenden Prozeduren in diesen Einrichtungen haben sicher dazu beigetragen, daß viele diesen Gang scheuen. Rechnet man diese Menschen hinzu, so kann die reiche Bundesrepublik Deutschland auf rund zehn Millionen Menschen verweisen, die mehr oder weniger Not leiden.

Laut ihrer eigenen Aussage ist es dem Riesenapparat der BA (über 100.000 Mitarbeiter) unter Einsatz von Milliarden von Euro (2012: 37,8 Mrd.) im Zeitraum der letzten zwölf Monate gelungen, die Arbeitslosenzahl um sage und schreibe 2.000 zu senken. Der ganze Aufwand also, um täglich fünf Leuten einen Arbeitsplatz zu verschaffen. Wahrlich ein „German Wunder“.

Klaus Wallmann sen.

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· read: 1851 · today: 2 · last: 23. Mai 2016

Ein Kommentar zu “Januar 2014: 7.131.406 Leistungsbezieher”

  1. Mensch sagt:

    hinzu kommen Menschen denen eine würdige Teilname am Leben unter Erpressung und Willkür ganz vorenthalten wird.

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